SK Stiftung Kultur
Wredes AKS
Stefan Winter M.A., geboren 1936 in Köln, nach kaufmännischer Tätigkeit (Stadtsparkasse Köln 1956-64) und Studium der Allgemeinen Sprachwissenschaft, Romanistik bzw. Germanistik und Slavistik in Bonn (1964-69) bis 1999 wissenschaftlicher Angestellter am Lehrstuhl für Angewandte Sprachwissenschaft und Patholinguistik in der Sonderpädagogik an der Universität zu Köln.
– Magisterarbeit: Die Dimensionsadjektiva im Deutschen, Englischen, Französischen und Russischen, Bonn 1968, unveröff.
– Mitautor der Wörterbücher: (mit G. Kandler) Wortanalytisches Wörterbuch, Deutscher Wortschatz nach Sinnelementen, 10 Bde., München 1992-95; (mit G. Peuser) Lexikon zur Sprachtherapie, München 2000 (UTB 2126).
– Mitautor (mit G. Peuser): Aphasieforschung, eine Bibliographie nach Sachgebieten, München 1995.
– Mitherausgeber (mit G. Peuser): Angewandte Sprachwissenschaft, Festschrift G. Kandler, Bonn 1981.
– Aufsätze in Festschriften u.a.

Leider ist der von uns allen sehr geschätzte Kollege Stefan L. Winter am 02.03.2006 seiner schweren Krankheit erlegen und kann sein begonnenes Werk leider nicht fortsetzen.

MISZELLE - Projekt eines altkölnischen Sprachschatzes
von Stefan L. Winter

(Infoheft Akademie för uns kölsche Sproch, Mai - Okt. 2005, S. 22 f.)

Prof. ADAM WREDE (1875-1960) war Volkskundler an der Universität zu Köln und ist bekannt unter anderem als Autor des dreibändigen ,Neuen Kölnischen Sprachschatzes (NKS)' (1956-58), der bereits in 12. Auflage vorliegt. Darin verwendet er auch altkölnische Sprachformen und verweist wiederholt auf das Material zu einem ,Altkölnischen Sprachschatz (AKS)'. Dazu sagt er im Anhang des Werkes "Ein umfangreiches, von mir ausgearbeitetes und für den Druck vorbereitetes, gedruckt mehrere Bände umfassendes Werk liegt seit längerer Zeit handschriftlich vor, ein Altkölnischer oder Historischer Kölner Sprachschatz, der das altkölnische Sprachgut mit seinem reichen Wort- und Formenbestand und mit seinem sachlich und kulturlich wichtigen Inhalt vorführt.




Prof. ADAM WREDE (1875-1960)
In der Einführung des 1. Bandes hatte WREDE (1956, V) dagegen etwas missverständlich gesagt: "Meine ausgearbeiteten Manuskripte konnten bei der Zerstörung meines Hauses (1942) im Kern gerettet werden, nicht unbeträchtliche Verluste mussten allerdings durch neue Bearbeitung ersetzt werden". Keine Erwähnung fanden dabei die bereits 1928/29 erfolgten beiden Lieferungen des AKS.Dagegen hatte WREDE (1951, 92) in einem Aufsatz noch einmal zum AKS versichert: ".. kann ich heute das Werk als handschriftlich vollendet vorlegen". In der Folge erschien dann jedoch 1956-58 erst einmal der NKS. Vor der geplanten Veröffentlichung des AKS verstarb der Autor 1960.




Adam Wrede
Neuer Kölnischer Sprachschatz
3 Bände
Greven Verlag Köln, 1. Aufl. 1956-1958
11. Auflage 1993
Die Hinweise und Verweise in WREDES NKS hatten mein Interesse am AKS geweckt. Ich hatte mich schon immer gewundert, dass dieses Material nicht veröffentlicht worden war. Aufgrund meiner lexikographischen Erfahrung (KANDLER / WINTER 1992-95, PEUSER / WINTER 2000, WINTER 2003) und meines neu erwachten Interesses am Kölner Dialekt reizte mich die Herausgabe des Materials und ich machte mich nach Abschluss des Kölschen Synonymwörterbuchs auf die Suche. Nach verschiedenen negativen Auskünften gab mir schließlich -vermittelt durch Dr. GEORG CORNELISSEN (Amt für rheinische Landeskunde, Bonn des LVR) Dr. WALTER HOFFMANN (Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande, Bonn) den entscheidenden Hinweis.

Beim Historischen Archiv der Stadt Köln lagern seit 1980 aus WREDES Nachlass ca. 28 000 Zettel mit den Aufzeichnungen zum AKS. Die Existenz dieses Materials war anscheinend nur wenigen bekannt. Andere hielten es für verloren (z. B. KÜPPER 1975, 319). Der Titel: ìVergessenes Material zum Historischen Kölner Sprachschatz' von KÜPPER (zu einem Wörterbuch von ALFTER) lässt sich genauso gut auf WREDES AKS beziehenDiese Zettel befinden sich - teilweise noch unpaginiert und in Umschlägen, beschriftet mit Angaben zur Wortstrecke sowie zum Teil Zahl der Zettel und zu fehlenden Zetteln - unter der Signatur Best. 1377 in den Regalen des Archivs. Sie haben überwiegend das Format von Schreibheften (18,5 x 23,5 cm), teils auch kleinere Formate, sind meist liniert und teilweise beidseitig beschrieben, meist mit Bleistift und meist gut lesbar. Die Zettel enthalten von A—Z ein (meist) hochdeutsches Stichwort, zum Teil grammatische Angaben, vereinzelt etymologische Angaben und neukölnische Formen, meist eine Bedeutungsangabe, und vor allem altkölnische, aber auch lateinische und hochdeutsche Belege mit Belegstelle in chronologischer Reihenfolge. Zu den schon erschienenen Lieferungen von 1928/29 gibt es Nachträge.

Über die Ziele des AKS schrieb WREDE (1952, 91):
"Angeregt durch die seit 1904/05 einsetzenden Vorarbeiten für ein Rheinisches Wörterbuch, hatte ich den Gedanken, für Köln ein Werk zu schaffen, das, selbständig in seiner Art, doch zugleich eine notwendige Ergänzung zum Rheinischen Wörterbuch sein sollte, ein Werk, in dem das Geschichte gewordene (historische) Wort- und Sprachgut Kölns mitsamt dem weiter in der Volks- und Umgangssprache lebenden Wortschatz s vereint werden und das den verschiedenen Wünschen und Belangen gerecht werden sollte."

Die Quellen hatte WREDE (1914, 226f.) schon ausführlich benannt:

"Zur Ausbeutung werden in möglichst weitem Umfange ungedruckte und gedruckte Quellen herangezogen, die ungedruckten, meist solche, die auch wohl kaum jemals im Druck erscheinen, in erster Linie. Nicht nur Schriftwerke der reichsstädtischen Zeit, also etwa aus der Mitte des 12. Jahrhunderts bis 1794, sondern auch die der französischen Verwaltung in Köln aus den Jahren 1794-1814 werden verarbeitet. So wird der Übergang Kölns an Preußen (1814/15) das Werk nach oben zeitlich begrenzen. Von den ungedruckten Quellen kommen wieder vor allem in Betracht: Die ältesten Urkunden mit deutschsprachlichen Glossen, Schreinsbücher (Grundbuchakten), Schreinsordnungen, Briefbücher, Ratsprotokolle, Morgensprachen, Ratsedikte, Ordnungen und Rollen der Ratsämter, Formelbücher der Kanzlei, Supplikationen, Gerichtsbücher, Turmbücher (Verhöre der Verhafteten oder Polizeigefangenen), Kriminalprozesse, Protokolle der Stimmeister (Behörde für politische und Sittenpolizei), Soldverträge, Handels-und Gewerbeakten, Zunftakten, Testamente, Inventare von Anstalten, z. B. Hospitälern, und von Bürgerhäusern, Nachlassverzeichnisse, Geschäftsbücher von Kaufleuten, Kramläden und gewerblichen Betrieben, Rechnungsbücher der städtischen Verwaltung und von Privatleuten, Universitätsakten. Kirchenarchivalien usf. Das meiste von diesen Quellen ruht in Köln selbst; anderes liegt im Düsseldorfer Staatsarchiv, wieder anderes ist an mehreren einzelnen Orten verstreut oder im Privatbesitz und wird nach Möglichkeit auch verarbeitet. [...]“Die Arbeiten zu dem Werke wurden am 1. April 1911 begonnen. Am 1. April 1914, also nach dreijähriger Sammlung, belief sich der Bestand auf 30 000 Zettel" (einzelne Ergänzungen bis ca. 1954).

Der Bearbeiter wollte ursprünglich die hochdeutschen Stichwörter WREDES durch altkölnische ersetzen — in Parallele zum NKS mit neukölnischen oder zum ,Frühneuhochdeutschen Wörterbuch' (ANDERSON / GOEBEL / REICHMANN 1989ff.) mit frühneuhochdeutschen Stichwörtern -, außerdem die Belege kürzen und reduzieren sowie die teils recht ausführlichen Bedeutungsangaben und historischen Erläuterungen kürzen und modernisieren. Alternativ sollte das Altkölnische auf etwa den Zeitraum 1200-1600 eingegrenzt werden und dementsprechend sollten Stichwörter mit rein hochdeutschen Belegen sowie altkölnische Stichwörter ohne hochdeutsches Äquivalent gekennzeichnet werden. Beides wurde am Buchstaben A erprobt. Aber ein Philologe und ein Historiker verwarfen beide Pläne und rieten, zur Intention WREDES zurückzukehren. Nur lateinische Stichwörter und Belege sollten eine Kennzeichnung erfahren. Die unterbliebene stärkere Bearbeitung soll aber in jedem Fall in anderer Form und zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Das Werk soll nach mehrjähriger Bearbeitung in 4 Bänden (...) gefördert durch die ,Akademie för uns kölsche Sproch́ (Köln) erscheinen, einschließlich der beiden schon im Druck vorliegenden Lieferungen.aus:

Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik LXXI Jahrgang Heft 2 (2004) © Franz Steiner Verlag Wiesbaden GmbH Sitz Stuttgart:
Pdf-Datei "Winter_Miszelle.pdf" (1.3 MB)
06.09.2010